Nach seinem zehnten Tagesrang am Freitag und der unerwarteten Rennpause für die Bike-Kategorie am Samstag liefert Matthias Walkner am Sonntag auf der 8. Dakar-Etappe eine beherzte Vorstellung. In Anbetracht der Limits, die ihm das verletzte Handgelenk setzt, ist der 8. Tagesrang eigentlich mehr als zu erwarten war. Nach 822 Tageskilometern – 346 davon als Sonderprüfung – erreicht der österreichische KTM-Werkspilot das Ziel 8:40 Minuten hinter Tagessieger Ross Branch. Unterm Strich kann Walkner in der Gesamtwertung knapp sechs Minuten und einen Platz auf die Spitze gutmachen und rangiert vor dem Ruhetag am Montag auf dem 10. Gesamtrang. In Führung liegt momentan der US-Amerikaner Skyler Howes (Husqvarna).

Nach dem Ruhetag am Montag geht die Dakar am 10. Jänner weiter. Auf den verbleibenden sechs Etappen sind 2900 Kilometer zu absolvieren, davon 1200 als Sonderprüfung gegen die Uhr.

Matthias Walkner: “Wie erwartet war es wieder ein langer und sehr anspruchsvoller Tag. Bei Kilometer 40 konnte mich Van Beveren schon einholen, er ist zwei Minuten hinter mir gestartet. Ich wusste, wenn ich an ihm dran bleibe, dann kann ich ein unter meinen derzeitigen Umständen gutes Ergebnis einfahren. Das ist mir gelungen.

Der Untergrund der heutigen Piste war sehr steinig, man kann sich das wie loses Schiefergestein vorstellen, extrem holprig zum Fahren. Ich merke einfach, dass ich mit dem verletzten Handgelenk keinen Druck am Lenker aufbauen kann, wodurch sich das Vorderrad lose anfühlt und dauernd verschlägt. Ich fahre wie auf rohen Eiern und hatte heute sehr viele brenzlige Situationen. Aber das werde ich auch für die kommenden Etappen nicht mehr ändern können.

Diese vielen Schläge, die ständig auf mein Handgelenk kommen, lassen es wieder massiv schmerzen. Immer wieder hat es mir den Lenker aus der Hand gerissen. Das war heute zum Teil sehr grenzwertig. Ich habe mich nicht wirklich gut gefühlt und war des Öfteren über meinem Limit. Über eine ganze Dakar würde das mit Sicherheit nicht gut ausgehen. Die diesjährige Dakar ist echt brutal und ein gewaltiger Kampf, aber wenn ich im Ziel in die Gesichter der Kollegen schaue, dann weiß ich, dass es nicht nur mir so geht.

Ich bin froh, dass ich nun gesund im Ziel bin und freue mich auf den Ruhetag morgen. Da heißt es regenerieren, mich um meine Hand kümmern und Kraft tanken. Natürlich habe ich mir meine Halbzeitposition ursprünglich anders vorgestellt, aber wenn man am zweiten Tag schon einen schweren Sturz hat und dir dieser dein Selbstvertrauen gleich so dermaßen nimmt, dann ist es sehr schwer für mich, um ein Podium mitzufahren. Die Schmerzen im Handgelenk variieren je nach Untergrund, so wie heute auf den steinigen Pisten, schmerzt das Handgelenk wieder extrem. Es wird sehr schwer, dass ich mich bei dieser Dakar noch fangen kann. Aber es ist wie es ist, ich gebe jeden Tag mein Bestes, versuche Spaß zu haben und wir werden sehen, was am Ende rauskommt.”

[embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=HmWJ8W9gWCY[/embedyt]

Dass die Samstags-Etappe für die Bike-Kategorie ausgefallen ist, lag an den Strapazen der sechsten Etappe am Freitag. Heftiger Regen nach der Wertungsprüfung und ein Roadbook-Fehler auf der Verbindungsetappe haben manche Piloten auf Umwege und in extrem zehrende Situationen gebracht. Die Profis waren mehr als 13 Stunden und mehr als 1000 Kilometer unterwegs. Sie erreichten das Biwak völlig durchnässt bei 6 Grad Aussentemperatur. In der Amateur-Klasse waren die Fahrzeiten teils deutlich länger. Aus diesem Grund sagten die Veranstalter die siebente Etappe für die Motorräder ab, da es sonst – wie sie sagen – zu gefährlich gewesen wäre.

STORY: Navigationsfehler kostet Matthias Walkner viel Zeit (Jänner 2023)
STORY: Platz 4 auf Etappe 5 – Matthias Walkner wird für’s Durchhalten belohnt (Jänner 2023)

photos (c) Marcelo Maragni